Anna Göldi

Eine der letzten Frauen, die in Europa nicht nur der Hexerei beschuldigt, sondern tatsächlich auch hingerichtet wurden (allerdings offiziell nicht wegen Hexerei), war Anna Göldi (auch Göldin) aus der Schweiz. Die letzte legale Hexenhinrichtung fand nicht etwa im finsteren Mittelalter oder wenigstens zu Beginn der Neuzeit um 1500 herum statt. Nein, Anna Göldi wurde am 13. Juni 1782 in Glarus in der Schweiz hingerichtet. Wobei sie ja wegen Giftmord hingerichtet wurde. Aber die letzte Hinrichtung einer Hexe in der Schweiz lag auch da noch nicht so lange zurück, es war Catherine Repond (1663-1731).

Immerhin rief ihre Hinrichtung von Anna Göldi europaweit Empörung hervor.

Leben Anna Göldi

Geboren wurde Anna Göldi am 24. Oktober 1734 in Sennwald, heute im Kanton St. Gallen.

Anna Göldi stammte aus armen Verhältnissen. Sie arbeitete als Dienstmagd. Es ist hinreichend belegt, dass sie zwei Kinder auf die Welt brachte. Das erste Kind starb kurz nach der Geburt und Anna Göldi wurde wegen Kindsmordes verurteilt und auch bestraft. Das zweite Kind, der Vater war ihr Dienstherr Zwicky in Mollis, überlebte die Geburt und wurde in fremde Hände gegeben. Es könnte noch ein drittes Kind gegeben haben.

Später arbeitete Anna Göldi (Göldin ist die weibliche Form ihres Nachnamens) als Magd bei Johann Jakob Tschudi, einem Arzt, Ratsherrn, Richter und Regierungsrat in Garn.

In dieser Anstellung soll Anna Göldi mehrmals Stecknadeln in die Milch einer Tochter Tschudis gezaubert haben. Es gibt außerdem Aussagen, wonach die Tochter mehrfach Nägel gespuckt haben soll.

Wegen Verzauberung der Tschudi-Tochter wurde Anna Göldi schließlich nicht nur der Hexerei beschuldigt, sondern auch angeklagt. Es wird angenommen, dass die Anklage eher mit einer Affäre mit ihrem Dienstherrn Johann Jakob Tschudi in Verbindung stand. Zudem war Anna Göldi gut bekannt mit dem Schwager der Familie Tschudi, Ruedi Steinmüller. Dieser war vermögend und vermutlich in einen Erbschaftsstreit mit der Familie Tschudi geraten. Auch er wurde beschuldigt und als Mittäter inhaftiert.

Unter Folter gab Gödi schließlich zu, die Kräfte des Teufels zu ntuezn. Ehe Steinmüller gefoltert werden konnte, erhängte er sich. Allerdings wurde seine Selbsttötung als Schuldeingeständnis betrachtet. Sein Vermögen beschlagnahmt.

Verurteilung nicht als Hexe sondern als Giftmörderin

Am 13. Juni 1782 wurde Anna Göldi vom evangelischen Glarner Rat zum Tode durch das Schwert verurteilt. Das Urteil wurde umgehend noch am gleichen Tag vollstreckt.  Allerdings wurden im Urteil die Begriffe Hexe und Hexerei vermieden. Und so erfolgte die Verurteilung von Göldi als Giftmörderin. Ihr Fall war auch nicht der letzte derartige in Europa; 1811 wurde Barbara Zdunk unter ähnlichen Umständen unter dem Vorwand der Brandstifterei hingerichtet. Ob diese wegen Hexerei hingerichtet wurde, ist jedoch sehr unwahrscheinlich, da Hexerei in Preußen zu der Zeit kein Straftatbestand war. Die letzten bekannten Hinrichtungen für Hexerei in Europa fanden 1793 in Posen (damals in Preußen) statt.

Letzte Hexe der Schweiz

Die letzte Frau, di e in der Schweiz der Hexerei beschuldigt und hingerichtet wurde, war Catherine Repond (La Catillon, 1663-1731). Während bei Anna Göde sich beim Urteil ja auf Giftmord bezieht und sich versucht um die Begrifflichkeit Hexe und Hexerei herumzuwinden, wurde Catherine Repond ganz offiziell als Hexe zum Tode verurteilt und am 15. September 1731 auf dem Scheiterhaufen verbrannt (zuvor war sie erdrosselt worden).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.